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Zuletzt geändert:
22.08.2018

 

Dürresommer 2018: Beregnung verhindert Missernte

In vielen Regionen Niedersachsens fehlte der Regen schon im Mai. Die im Norden vorherrschenden sandigen Böden stellten den Kulturen schon Mitte des Monats nicht mehr genug Wasser zur Verfügung, weil sie nur sehr wenig davon speichern können. Deswegen begann die Bewässerung zu dieser Zeit nicht nur für Gemüse und Beerenobst, sondern auch im Getreide. Im Juni war dann ganz Niedersachsen, auch der sonst eher feuchtere Westen, von der zunehmenden Trockenheit betroffen. Jetzt mußten auch alle anderen Kulturen beregnet werden, zunächst die Kartoffeln, später auch Mais und Zuckerüben. Bis Ende Juni fehlten in der klimatischen Wasserbilanz bereits 200 bis 300 Liter Wasser pro m2. Alle vorhandenen Beregnungsmaschinen waren Tag und Nacht im Einsatz, um zumindest einen kleinen Teil dieser fehlenden Menge zu ersetzen. Häufig musste auch zur ungünstigen Mittagszeit beregnet werden, wenn es besonders heiß ist, weil die Kapazitäten sonst nicht ausgereicht hätten. Trotzdem war es kaum möglich, alle Flächen mit ausreichend Wasser für die Pflanzen zu versorgen. Überall dort, wo nicht oder zu wenig beregnet werden konnte, war den Pflanzen der Trockenstress anzusehen. Beim Getreide waren die Bestände dünn und hatten zu wenige und zu kleine Körner. Rüben und Mais wollten nicht so richtig wachsen. Die Blätter hingen bei den Rüben schlapp herunter und waren beim Mais eingerollt, um Wasser zu sparen. Bei den Kartoffeln bildeten sich nicht genügend Knollen. Das Laub blieb dürftig und konnte den Boden nicht ausreichend beschatten so dass es im Kartoffeldamm sehr heiß wurde.

Der Juli ist nach der Statistik eigentlich der regenreichste Monat des Jahres. Er erfüllte die Hoffnung auf ein Ende der Trockenheit jedoch nicht. Durch die zunehmende Hitze wurde es sogar noch schlimmer. Eine derartige Dürre hat es seit 1959, einem Sommer mit ebenso wenig Regen, aber niedrigeren Temperaturen, nicht mehr gegeben. Sie übertrifft auch das Trockenjahr 2003 bei Weitem. In Uelzen, im Nordosten Niedersachsens, fielen z.B. von Mai bis Juli nur 57 mm Regen. 2003 waren es immerhin 165 mm. Außerdem gab es in diesem Zeitraum 48 Tage mit Temperaturen über 25°C, 2003 waren es 10 Tage weniger. Zu dem Trockenstress kam daher auch noch Hitzestress für die Kulturen hinzu. Besonders die Kartoffeln litten darunter, weil sie es nicht zu warm mögen. Sie stellen dann das Wachstum ein und sterben teilweise sogar ab. Eine gute Wasserversorgung führt zu einer Abkühlung durch Verdunstung, weshalb eine regelmäßige Bewässerung in dieser Kultur besonders wichtig ist. Mindestens einmal pro Woche musste deshalb jedes Feld beregnet werden. Aber auch die tiefer wurzelnden Kulturen wie Mais und Zuckerüben fanden im Boden kein Wasser mehr. Wenn die Blätter der Rüben auf dem heißen Boden liegen, verbrennen sie und können keine Energie mehr für das Rübenwachstum liefern. Außerdem müssen sie von der Pflanze wieder neu gebildet werden, was zusätzlich Kraft kostet und dadurch die Bildung von Zucker in der Rübe beeinträchtigt. Der Mais ist während der Blüte im Juli besonders empfindlich. Bei Trockenstress wird die Ausbildung der weiblichen Blüte (der spätere Kolben) behindert und die Befruchtung findet nur unzureichend statt. Im Extremfall haben diese Pflanzen später gar keinen oder nur einen sehr kleinen Kolben. Das bedeutet für Körnermais einen kompletten Ertragsausfall und für Silomais mindestens eine Halbierung des Ertrages. Eine regelmäßige Wassergabe war deshalb auch für diese Kulturen unumgänglich. Im August setzte sich das trockene Wetter fort.  Wenn der Regen weiter ausbleibt, lassen sich Zwischenfruchtbestände nicht erfolgreich etablieren, was u. a. zur Konservierung von Reststickstoff aus der Hauptfrucht unbedingt nötig wäre. Ganz bedrohlich trifft es die Futterbaubetriebe. Ein Anbau von Ackergras als Zweit- oder Zwischenfrucht zur Abmilderung der extremen Futterknappheit wäre sonst auch nur durch zusätzliche Beregnung möglich.

Der hohe Arbeitsaufwand für das Umstellen und die Wartung der Beregnungsmaschinen stellt für die Landwirte in diesem Jahr eine extreme Arbeitsbelastung dar. Sie sind jetzt schon im vierten Monat an 7 Tagen die Woche ununterbrochen im Einsatz gewesen. Hinzu kommen die enormen Kosten für die Förderung des Wassers und der Verschleiß an der Technik. Bei einem Wasseraufwand von 150 bis weit über 200 mm (= Liter pro m2) muss mit variablen Beregnungskosten von 300bis 500 € je ha gerechnet werden. Die festen Kosten der Anlage sind hier noch nicht mitgerechnet. Diese Kosten schmälern den Gewinn bzw. das Einkommen entsprechend und machen den Anbau von Getreide unter Umständen in diesem Jahr sogar unwirtschaftlich. In einigen Fällen dürften auch die begrenzten Wasserkontingente im Rahmen der wasserrechtlichen Erlaubnisse überschritten worden sein. Das war jedoch unumgänglich, um erhebliche Ertragseinbrüche in allen Kulturen zu verhindern und damit die Erzeugung unserer Nahrungsmittel zu gewährleisten.

Der Fachverband Feldberegnung fordert deswegen, dass den Landwirten hieraus keine weiteren Nachteile entstehen dürfen. In den kommenden Jahren werden nach den Erfahrungen aus diesem Jahr deutlich mehr Landwirte ihre Flächen mit einer Bewässerungsmöglichkeit erschließen, um eine Versicherung gegenüber weiteren Trockenjahren zu haben. Diese werden wegen des Klimawandels möglicherweise häufiger auftreten.