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(c) FVF Hannover 2019


Zuletzt geändert:
07.10.2019

 

Den Pflanzen fehlt das Wasser – Bodenreserven weitgehend versiegt

Ein genaueres Maß für Trockenheit als der Niederschlag ist die klimatische Wasserbilanz (KWB). Sie berücksichtigt auch die Verdunstung und damit den Wasserverbrauch. Dieser ist unter anderem abhängig von der Tagestemperatur, der Luftfeuchtigkeit und der Sonneneinstrahlung. Ist die potentielle Verdunstung höher als der Niederschlag, wird die KWB negativ. Nach kühlen Phasen im Mai, sowie jeweils in der ersten Juni- und Julihälfte gab es sowohl Ende Juni als auch Ende Juli 4 Wochen mit großer Hitze und einer sehr hohen Verdunstung. Seit April hat sich das meteorologische Wasserdefizit in einigen Gegenden bereits auf bis zu -340 mm aufsummiert. 2018 war es allerdings noch trockener. Das Defizit lag um diese Zeit an vielen Standorten zwischen -350 und -400 mm. Die Tabelle 2 zeigt die unterschiedliche Ausprägung der Trockenheit in 2019 über fünf Klassen der KWB für eine Auswahl von Orten aus einer wöchentlich vom Fachverband Feldberegnung veröffentlichten Liste mit Wetterstationen.

Besonders stark von der Trockenheit betroffen ist in diesem Jahr das südwestliche Niedersachsen mit der Beispielstation Lingen. Hier sind von April bis Juli sogar ca. 50 mm Niederschlag weniger gefallen als 2018 – und das bei Temperaturrekorden im Juli. Die Gebiete um Diepholz, Osnabrück und Celle sowie die nördliche Region Hannover zeigen ebenfalls ein sehr hohes Wasserdefizit. Auch in Nienburg, Gifhorn und Braunschweig fehlte es an Regen. Zu dieser Gruppe gehört auch Lüchow. Das Wendland musste im vergangenen Jahr jedoch noch weit stärker unter der Trockenheit leiden als jetzt. Die KWB betrug in Lüchow bis Ende Juli -264 mm, in 2018 waren es dagegen -456mm. Es gibt jedoch auch Orte mit normalen oder sogar überdurchschnittlichen Niederschlägen. Diese sind hauptsächlich im Nordwesten und im Südosten Niedersachsens zu finden sowie lokal durch örtlich begrenzte hohe Gewitterniederschläge.

Bei sehr negativen Wasserbilanzen hängen die Erträge in besonderem Maße von der Menge des im Boden gespeicherten Wassers ab. Die leichten Böden sind im Winterhalbjahr zwar gut aufgefüllt worden, ihre Speicherkapazität ist mit 60 – 120 Liter je m2 jedoch eher gering, weshalb das gut pflanzenverfügbare Wasser bereits nach 10 bis 20 Tagen verbraucht ist, wenn es warm ist und nicht regnet. Auf den guten Böden mit einer hohen Wasserspeicherkapazität besteht in diesem Jahr das Problem, dass sie wegen der weitgehenden Entleerung im Vorjahr und den vielerorts unterdurchschnittlichen Winterniederschlägen nur teilweise aufgefüllt waren. Der Bodenwasservorrat ist daher auch hier begrenzt, was sich in den Regionen mit besonders hohem Wasserdefizit in den später abreifenden Getreidearten und -sorten sowie im Raps während der Kornfüllungsphase negativ bemerkbar gemacht hat. Auch die Zuckerüben und der Mais fanden spätestens ab Juli in den tieferen Bodenschichten kaum noch Wasser vor. Die Bodenfeuchte im Wurzelraum ist auf vielen Böden nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes und nach eigenen Messungen im Raum Uelzen Ende Juli auf unter 30 % der nutzbaren Feldkapazität abgesunken. Das bedeutet für die Pflanzen Trockenstress und damit das Risiko von Mindererträgen.

Durch die Feldberegnung, die in den Regionen mit leichten Böden häufig vorhanden ist, konnte die Wasserversorgung der Kulturen weitgehend aufrecht erhalten werden. Die zur Verfügung stehende Wassermenge ist in diesem Jahr jedoch für einige Betriebe gering, weil durch den gezwungenermaßen hohen Beregnungseinsatz im Dürrejahr 2018 bereits große Anteile der begrenzten Wasserkontingente verbraucht wurden. Gespart wurde daher besonders im Getreide, um noch ausreichend Wasser für die wirtschaftlich stärkeren Hackfrüchte, besonders für Kartoffeln, oder das Feldgemüse wie Zwiebeln übrig zu haben. Hier war das Zusatzwasser auch besonders notwendig, um erhebliche Ertragsausfälle zu verhindern. Die zeitweilige Hitze und der mangelnde Niederschlag haben besonders den Kartoffeln aber auch dem Mais in seiner besonders sensiblen Phase des Rispenschiebens und der Blüte stark zugesetzt. Daher waren in Kartoffeln bereits 5 bis 7 und im Mais 2 bis 3 Beregnungsgaben notwendig. Die Zuckerrüben haben zeitweilig gelegen und litten unter Wachstumsstillstand und Blattverlusten. Auch hier waren häufig bereits 2 bis 3 Beregnungseinsätze nötig. Selbst auf Grünland wurden Beregnungsmöglichkeiten genutzt, um eine drohende Futterknappheit zu vermeiden.

Die Rübe kann bisherige Schäden durch Trockenstress noch am ehesten in der weiteren Vegetationszeit kompensieren. Auch Mais ist in der Lage, trotz Trockenschäden noch einen Ertragszuwachs zu realisieren. Ohne Beregnungsmöglichkeit ist dazu aber unbedingt ein durchgreifender Wetterumschwung mit ergiebigen Niederschlägen notwendig.

Stand: 7. August 2019
Angela Riedel, Fachverband Feldberegnung

Tabelle 1 zeigt einige ausgewählte Orte in der Reihenfolge, in der sie in der bisherigen Vegetationsperiode von Petrus mit Regen bedacht wurden.

Tab. 1: Niederschläge von April bis Juli 2019 für ausgewählte Orte

Auswahl Orte

Niederschlag vom
2. Apr. - 29. Juli 2019

Lingen

104

Diepholz

105

Hannover

116

Osnabrück

118

Celle

128

Braunschweig

141

Gifhorn

143

Gardelegen

147

Friesoyte

149

Nienburg

151

Hankensbüttel

155

Soltau

162

Bremervörde

173

Lüchow

175

Tostedt

177

Uelzen

186

Hameln

188

Emden

190

Jork

191

Lüneburg

193

Amelinghausen

234

Göttingen

235

Liebenburg

268

 

 

Quelle: Fachverband Feldberegnung, DWD

 

Tab. 2: Klimatische Wasserbilanzen (KWB) als Maß für die Trockenheit für ausgewählte Orte

100-149 mm KWB

150-199 mm KWB

200-249 mm KWB

250-299 mm KWB

300-350 mm KWB

Emden, Lieben- burg, Göttingen

Bremervörde, Jork, Amelinghausen

 

Friesoyte, Tostedt, Soltau, Lüneburg, Uelzen, Hameln

Osnabrück, Lüchow, Nienburg, Wittingen, Hannover, Gifhorn, Braunschweig

Lingen, Diepholz, Wedemark, Celle, Gardelegen

Quelle: Fachverband Feldberegnung, DWD