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(c) FVF Hannover 2019


Zuletzt geändert:
07.10.2019


Beregnung rettet die Erträge im Dürresommer 2018

In den Beregnungsversuchen der Landwirtschaftskammer Niedersachsen am Standort Hamerstorf bei Uelzen lagen 2018 alle sechs untersuchten Kulturen ohne Beregnung nur bei etwa der Hälfte des potentiell möglichen Ertrages, der mit pflanzenbaulich optimaler Beregnung erzielt werden konnte (s. Abb. 1). Das ist erheblich weniger als im Durchschnitt der bisherigen 13 Versuchsjahre, wo bei Getreide und Kartoffeln etwa 70-75 % und bei Zuckerrüben und Mais sogar 85 % ohne Beregnung erreicht werden konnten (s. Abb. 2). Aus diesem Ergebnis wird deutlich, wie extrem sich die Dürre in 2018 auf die Erträge ausgewirkt hat. Um die Pflanzen ausreichend mit Wasser zu versorgen waren allerdings sehr hohe Beregnungsmengen notwendig. Bei optimaler Versorgung aller Kulturen wurde die Rekordmenge von 216 mm Wasser benötigt. Die Beregnung setzte dabei je nach Kultur ab 40 % (Zuckerrübe) bis 55 % (Kartoffel) der nutzbaren Feldkapazität (nFK) ein. Die Getreidearten lagen dazwischen. Die Variante mit reduzierter Beregnung mit einem Einsatz ab 25 -40 % der nFK benötigte im Mittel aller Kulturen 140 mm Wasser. Das ist auch noch eine sehr hohe Menge, die deutlich über den häufig bestehenden wasserrechtlichen Erlaubnissen von im Mittel 80 mm liegt.

Beim Getreide begann der Trockenstress in der ersten Maidekade. Bei stark ansteigenden Temperaturen kam das Wurzelwachstum nicht schnell genug nach, so dass der Wassermangel zu einer erheblichen Reduktion der Triebe und der Kornanlagen führte. Durch die fortdauernde Trockenheit und die vorzeitige Abreife konnten sich auch die Körner nicht ausreichend entwickeln, so dass hier keine Kompensationsmöglichkeiten für die Pflanzen vorhanden waren, wie es häufig bei einer reinen Frühjahrstrockenheit der Fall ist. Eine regelmäßige Beregnung sicherte die normale Entwicklung der Bestände ab.

Die Wintergerste blieb mit 74 dt/ha bei 167 mm Beregnung dennoch unterdurchschnittlich im Ertrag, während der Weizen sehr gute 105 dt/ha erreichte, wozu allerdings 205 mm Zusatzwasser gebraucht wurden. Auch bei reduzierter Beregnung, die mit 2 Gaben weniger auskam, wurden noch 95 dt/ha eingefahren.

Der Ertragsanstieg durch die Beregnung war bei der Sommergerste am stärksten ausgeprägt. Bei einer N-Düngung mit 80 kg/ha stieg der Kornertrag von 31 (unberegnet) auf 74 dt/ha (beregnet), bei einer N-Gabe von 120 kg/ha sogar von 32 (unberegnet) auf 85 dt/ha (beregnet). Die Wassereffizienz ist durch das höhere N-Angebot also verbessert worden. Daraus wird auch deutlich, dass eine Düngung bei Wassermangel nichts bewirkt, während sie in Kombination mit einem ausreichenden Wasserangebot sehr gut in Ertrag umgesetzt wird. Die Nmin Werte nach der Ernte spiegeln diesen Zusammenhang wieder. Mit Beregnung wurden 30 kg N/ha weniger gemessen als ohne. Die für Braugerste wichtige Proteingehalt unter 11,5 % konnte sowohl mit optimaler als auch mit reduzierter Beregnung in jeder Düngungsstufe eingehalten werden, was ohne Beregnung nicht gelang. Bei einem Zusatzwassereinsatz ab 50 % der nFK wurden 8 Gaben mit 201 mm benötigt, während der reduzierte Einsatz ab 30-35 % nur 5 Gaben mit 125 mm erforderte. Dafür musste auf ca. 12 dt/ha Ertrag verzichtet werden.

Bei den Kartoffeln führte der andauernde Trockenstress ohne Beregnung zu einem sehr niedrigen Ertrag von 305 dt/ha. Die Qualität war durch Untergrößen, Schorfbefall und Durchwuchs stark beeinträchtigt. Um ein gutes Wasserangebot aufrecht zu erhalten, musste die Beregnung ab 55 % der nFK in jeder der 10 Wochen der Hauptvegetationszeit ab dem Beginn des Knollenansatzes eingesetzt werden. Dadurch kam die hohe Menge von 262 mm Wasser zusammen, womit sich ein Marktwareertrag von 659 dt/ha erreichen ließ. Bei reduzierter Beregnung ab 35-40 % der nFK wurden noch 171 mm benötigt. Der Ertragsunterschied war mit 30 dt/ha relativ gering.

Der Mais war ohne Beregnung um 1 m kürzer und bildete nur sehr kleine und schwach bekörnte Kolben aus, worunter nicht nur der Ertrag mit 121 dt TM/ha, sondern auch die Qualität durch den niedrigen Energiegehalt litt. Die optimale Beregnung setzte ab 45-50% der nFK ein, wodurch 6 Gaben mit 179 mm nötig wurden. Die reduzierte Beregnung ab 30-35 % nFK kam mit 4 Gaben und 115 mm aus. Dadurch wurde auf 35 dt TM/ha Ertrag verzichtet.

Obwohl die Zuckerrüben erst ab 40 % der nFK beregnet wurden, war die beregnete Wassermenge mit 284 mm bei 9 Gaben extrem hoch. Das lag auch an der langen Vegetationszeit der Rüben, in der es fast die ganze Zeit über zu trocken war. Das Bodenwasser reichte nur bis Mitte Juni aus. Die erste Gabe erfolgte daher schon am 15. Juni, die letzte am 19. September. In der reduzierten Variante wurde die Beregnung 10 Tage später begonnen und 4 Wochen früher beendet. Dadurch wurden 3 Gaben bzw. 94 mm weniger Wasser benötigt. Das reichte für einen Rübenertrag von 856 dt/ha bei 21,2 % Zucker aus, wodurch die Wirtschaftlichkeit besser war als bei der intensiv beregneten Variante, die nur 60 dt/ha mehr Ertrag erzielte.

Wirtschaftlichkeit bei hohem Beregnungseinsatz

Insgesamt hat sich der Beregnungseinsatz in 2018 trotz der hohen Wasser- und Arbeitskosten in allen Kulturen gerechnet. Die beregnungskostenfreie Leistung bei Berücksichtigung nur der variablen Kosten (2 €/mm) bewegte sich zwischen 255 €/ha für Wintergerste bis hin zu mehr als 7000 €/ha für Speisekartoffeln bei optimaler Beregnung. Das ist in erster Linie den sehr hohen Mehrerträgen durch Beregnung zuzuschreiben, woraus trotz des hohen Wasserbedarfs eine gute Wassernutzungseffizienz resultierte. Bei einigen Kulturen, besonders Braugerste, Kartoffeln und Mais, waren die Qualitätsverbesserungen bei guter Wasserversorgung ein zusätzlicher Faktor für die gute Wirtschaftlichkeit.

Dabei muss jedoch bedacht werden, dass der Beregnungsbedarf im Dürrejahr 2018 je nach Kultur um 50 bis 120 mm höher lag als in durchschnittlichen Jahren, so dass der Deckungsbeitrag bei vergleichbaren Erträgen mit 100-240 €/ha durch die höheren Beregnungskosten belastet wurde. Das konnte in einigen Kulturen, vorrangig bei den Speisekartoffeln, durch gestiegene Erzeugerpreise wieder ausgeglichen werden, sofern die Erzeugnisse nicht vertraglich und preislich gebunden waren.

Beregnungseinsatz nach begrenzten Wassermengen ausrichten

Die Mengen für die Wasserentnahme sind durch die wasserrechtlichen Erlaubnisse fast immer begrenzt. Aus diesem Grund ist es nicht möglich, alle Kulturen - so wie in unseren Versuchen - pflanzenbaulich optimal zu beregnen, wo im Mittel der Jahre 112 mm über alle 6 Kulturen (ohne Raps) benötigt wurden. Bei einigen Kulturen ist diese intensive Beregnung auch gar nicht wirtschaftlich, so wie fast immer bei Zuckerrüben und oft auch im Wintergetreide oder Silomais (s. Abb. 3). Häufig liegt die höhere Wirtschaftlichkeit auch nur im Bereich von 40 – 50 €/ha.

Eine ständig gute Wasserversorgung benötigen nur die Kulturen mit der höchsten Wirtschaftlichkeit der Beregnung. In den anderen Kulturen kann die Beregnung reduziert werden. Diese Tatsache ist gerade in der Vegetationsperiode 2019 zu berücksichtigen. Auf Grund des beregnungsintensiven Jahres 2018 sind die für 2019 zur Verfügung stehenden Wassermengen sehr eingeschränkt, so dass einige Kulturen nur stark reduziert beregnet werden können. Jeder Beregnungsbetrieb muss hier seine eigene wirtschaftliche Rangfolge für die Beregnung der im Betrieb vorhandenen Kulturen festlegen. Neben der Witterung und dem aktuellen Zustand der Bodenfeuchte muss auch die jeweilige Durchwurzelungstiefe, die Trockenstressempfindlichkeit in der aktuellen Entwicklungsphase und der zu erwartende Mehrertrag einer Kultur für eine objektive Beregnungsentscheidung mit herangezogen werden.

Stand:17.04.2019 

Angela Riedel und Ekkehard Fricke
Landwirtschaftskammer Niedersachsen
Sachgebiet Beregnung 

Hier die Abbildungen 1, 2  und 3