
Das Wetterjahr 2026 ist in Niedersachsen bislang durch warme Witterungsabschnitte und eine auffällige Häufung von Hitzetagen geprägt. Besonders die frühe und langanhaltende Hitzeperiode Ende Juni sowie der warme und sonnenscheinreiche Juli vermitteln zunächst den Eindruck eines außergewöhnlich trockenen Jahres.
Bei genauer Betrachtung ergibt sich jedoch ein differenzierteres Bild. Für die Bewertung der Wassersituation ist nicht allein die Temperatur entscheidend, sondern vor allem das Zusammenspiel von Niederschlag und Verdunstung. Die klimatische Wasserbilanz (KWB) ist die Differenz von Niederschlag und Verdunstung und berücksichtigt genau diese beiden Größen und gibt damit einen besseren Hinweis auf die tatsächliche Wasserverfügbarkeit für die Vegetation.
Nach der bisherigen Auswertung lag die KWB in den meisten Orten zunächst über dem Durchschnitt der vergangenen neun Jahre und bewegt sich inzwischen in Richtung des langjährigen Mittels und in manchen Orten teilweise auch leicht unter den Durchschnitt. Das Jahr 2026 ist damit hinsichtlich der Wasserbilanz bislang nicht als außergewöhnlich trocken einzuordnen. Die räumliche Verteilung der klimatischen Wasserbilanz zeigt dabei, dass sich die Situation innerhalb Niedersachsens durchaus unterscheidet. Die folgende Grafik stellt die KWB für den Zeitraum April bis August 2026 an den betrachteten Standorten dar.
Eine Besonderheit des Jahres 2026 ist die relativ hohe Zahl an Hitzetagen. In Hamerstorf wurden bis zum 20.08.2026 15 Hitzetage registriert, gegenüber 10,6 Hitzetagen im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Hohe Temperaturen erhöhen die Verdunstung und damit den Wasserbedarf der Kulturen. Sie bedeuten jedoch nicht automatisch eine außergewöhnlich negative Wasserbilanz, wenn gleichzeitig ausreichend Niederschläge fallen.
Auch beim Niederschlag ist deshalb nicht nur die Jahressumme entscheidend, sondern vor allem dessen zeitliche Verteilung. In Hamerstorf fielen bis zum 20.08.2026 385 mm, gegenüber 417 mm im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Längere niederschlagsarme Phasen während hoher Temperaturen können den Wasserbedarf der Kulturen deutlich erhöhen, auch wenn die Niederschlagsmenge über das gesamte Jahr betrachtet, ausreichend ausfällt.
Das zeigt sich auch bei der Beregnung. In Hamerstorf wurden die Kartoffeln im Jahr 2026 mit 100 mm in der optimalen Variante beregnet, gegenüber 125 im Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Die Beregnung gleicht dabei vor allem die zeitweise fehlenden Niederschläge während der Vegetationsperiode aus.
Niederschlag und Grundwasser
Die Verteilung des Niederschlags spielt nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für das Grundwasser eine wichtige Rolle. Hauptquelle der Grundwasserneubildung ist versickerndes Niederschlagswasser. Besonders im Winter ist die Neubildung hoch, weil wenig Wasser verdunstet und ein größerer Anteil des Niederschlags in den Boden versickern kann. Im Sommer ist die Neubildung dagegen aufgrund höherer Verdunstung und des Wasserverbrauchs der Vegetation deutlich geringer. Daher sind jahreszeitliche Schwankungen der Grundwasserstände normal. In diesem Zusammenhang wird häufig behauptet, die landwirtschaftliche Beregnung sei für sinkende Grundwasserstände verantwortlich. Diese Aussage greift definitiv zu kurz.
Die Grafik zeigt, dass die Landwirtschaft einen Anteil von 21 % an der genehmigten Gesamtentnahmemenge in Niedersachsen hat. Dennoch wird auch das für die Landwirtschaft entnommene Grundwasser gezielt genutzt. Um sicherzustellen, dass dabei nicht mehr Wasser entnommen wird, als sich wieder neu bildet, werden die Grundwasserentnahmen in Niedersachsen mengenmäßig bewirtschaftet. Der Grundwassermengenerlass legt hierfür einen landesweiten Rahmen fest. Ziel ist es, den guten mengenmäßigen Zustand der Grundwasserkörper zu erhalten. Daher darf nur so viel Grundwasser entnommen werden, wie sich auch wieder neu bildet. Bei der wasserrechtlichen Erlaubnis werden deshalb die Grundwasserneubildung, bestehende Wasserrechte und weitere Anforderungen des Grundwasserschutzes berücksichtigt. Dadurch soll eine Übernutzung der Wasserressourcen vermieden werden, sodass weder das Grundwasser selbst noch die umliegenden Ökosysteme beeinträchtigt werden. Weitere Informationen zur langfristigen Wasserversorgung finden Sie im Niedersächsischen Wasserversorgungskonzept.
